50 Jahre Jugendkapelle Hindelang – Rudi Bader erzählt


Rudi Bader ist 84 Jahre alt und Ehrendirigent der Harmoniemusik Hindelang. Seine Tätigkeit in der Musikkapelle war facettenreich und reichte vom Trompeter über 1. Vor-stand sowie ab 1970 Musiklehrer und Dirigent. Im gleichen Jahr wurde auch die Jugendkapelle gegrün-det, deren 50-jähriges Bestehen im Dezember 2020 gefeiert werden soll. Rudi Bader hat uns aus der Zeit der Gründung erzählt.

Wie bist du zur Musik gekommen?
Als ich Musik machen wollte, bin ich zum damaligen Vorstand der Kapelle gegangen. Die Kapelle hat damals hauptsächlich aus Aushil-fen aus Kempten oder Immenstadt bestanden, die der Dirigent Hädrich mitgebracht hat. Da hat man mir gesagt, dass kein Interesse daran besteht, eigene Musiker auszubilden. Dann habe ich mir irgendwo eine Trompete besorgt und hab selber ein bisschen rumgeblasen. Irgendwann hat man zu mir gesagt: „Du kannst doch Trompete spielen, du kannst in der Kapelle mitspie-len.“ Ich bin dann auf eine Probe gegangen – da hat man einen Marsch aufgelegt und gespielt. Ich konnte damals noch keine Noten lesen und habe mich gefragt, wie die anderen das machen, wie sie den Marsch spielen können, obwohl sie ihn gar nicht kennen.

Und wie hast du das gelernt?
Mein Trompetenkollege hat mir geholfen, er war zwar kein toller Musiker, aber ein ganz lieber Mann. Ich war so interessiert, dass man daheim schon gesagt hat: Jetzt übt er schon wieder. So bin ich in die Kapelle gekommen, weil ich es un-bedingt wollte. Ich bin später erster Trompeter in Hindelang und in Immenstadt gewesen. Notgedrungen musste ich damals vieles vom Blatt spielen, das ich vorher noch nicht gesehen hatte. Das war wahnsinnig – aber da habe ich es richtig gelernt und das habe ich an meine Musiker weitergegeben.

Wie hat das mit der Jugendausbildung angefangen?
Ich habe, als ich in der Kapelle war, immer wieder geworben: Kommt doch zur Musik, das ist toll. Dann habe ich ihnen das bisschen beigebracht, das ich konnte und wir ha-ben ein wenig zusammen musiziert. So habe ich damit angefangen. Später habe ich alle Instrumente unterrichtet, ich war der einzige Musiklehrer.

Wie kam es zur Gründung der Jugendkapelle?
Das war 1970, da hatten wir zwei Wochen vor dem Osterkonzert keinen Dirigenten mehr. Ich war zu dieser Zeit zweiter Dirigent und musste dieses Osterkonzert dirigieren, das wider Erwarten ein großer Erfolg war. Im Anschluss an das Konzert kam der Bürgermeister auf mich zu und hat zu mir gesagt: „Wir müssen keinen Dirigenten mehr su-chen, wir haben einen in Hindelang. Du machst das und gründest eine Jugendkapelle.“ Ich war also nicht der Gründer der Jugendkapelle, das war Bürgermeister Scholl, ich war nur der Ausführende. Ich wurde dann halbtags bei der Gemeinde angestellt und ab 1973 ganztags, da ich auch noch in Unterjoch dirigiert habe.

Wie lief die Arbeit mit der Jugendkapelle ab?
Wir haben eigentlich immer nur von November bis Dezember geprobt und dann das Weihnachtskonzert gespielt. Sonst haben wir nicht geprobt, weil ich die Jungen da schon in der großen Musik gebraucht habe. Die Jugendkapelle hatte immer den Zweck den Nachwuchs für die Harmoniemusik zu sichern. Es waren damals 22 Jungen dabei, Mädchen hatte man zu dieser Zeit noch nicht in der Kapelle. Ein Jahr später waren es noch 11, da hat es immer geheißen: Der Rudi ist so streng. Ich war aber nicht streng, ich war genau. Und ich bin immer nach dem Sprichwort ge-gangen: Eine Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied. Aber es musste jeder zu Hause üben und jeder musste seine Stimme spielen können. In die große Kapelle sind diejenigen gekommen, die perfekt den Rhythmus lesen konnten. Der Rhythmus war wichtig, dass das Technische erst mit der Zeit wächst, ist ganz klar. Wir waren mit der Jugendkapelle auch sehr erfolgreich auf Wertungsspielen unterwegs – sieben Stück in der Unter- bis Oberstufe haben wir gespielt, immer mit hoher Auszeichnung.

Was denkst du darüber, dass die Jugendkapelle schon 50 Jahre alt wird?
Das ist für mich eine Zahl wie jede andere auch. Es geht eigentlich gar kein Tag vorbei, in dem ich meine Gedanken nicht bei der Musik habe, das brauche ich aber nicht nach außen zu zeigen, es reicht für mich, wenn ich das selber weiß. Und was ich mit meiner Arbeit als Musiklehrer und Dirigent erreicht habe, verdanke ich auch unserem damaligen Vorstand Hansjörg Haug, der mich in Allem immer unterstützt hat. Auch ihm ist es zu verdanken, dass Hindelang heute dieses tolle Blasorchester hat.